SPÄTER RÄCHT ES SICH

Sonnenschutz ist nicht allein eine Frage der Haut, sondern auch der Augen - besonders bei Kindern. Ein Mützchen mit Schirm, die Sonnencreme mit dem richtigen Lichtschutzfaktor und vielleicht noch ein dünnes, langärmeliges Oberteil: So wappnen viele Eltern ihre Kleinen in der Sommerzeit. Doch nicht nur die Haut will geschützt sein: Werden die kindlichen Augen nicht ausreichend vor zu viel Sonneneinstrahlung bewahrt, können irreparable Schäden entstehen, die sich im Verlauf des Lebens bemerkbar machen.

Die Gefahrenquelle ist unsichtbar, genauer gesagt liegt sie jenseits des für das menschliche Auge wahrnehmbaren Lichtspektrums: Die Ultraviolettstrahlung weist eine so kurze Wellenlänge auf, dass sie vom Auge nicht erfasst werden kann. Während Hund und Katze die UV-Strahlung tatsächlich sehen können, tappen die Menschen diesbezüglich im Dunkeln: Nicht umsonst wird das UV-Licht umgangssprachlich auch als Schwarzlicht bezeichnet.

Zwar ist weithin bekannt, welche negativen Auswirkungen zu viel UV-Strahlung auf die menschliche Haut hat. Doch dass auch die Augen durch die kurzwellige Strahlung in Mitleidenschaft gezogen werden können, ist wesentlich weniger geläufig.

Dabei sind die Schäden, die durch UV-Licht im Auge hervorgerufen werden können, erheblich: Durch Entzündungen der Binde- und Hornhaut und Verbrennungen auf der Netzhaut werden irreversible Schäden verursacht. Bilden sich, ausgelöst von der UV-Strahlung, darüber hinaus Narben im Augeninneren, wird die Sehkraft stark beeinträchtigt.

 

Kinder besonders gefährdet

Gerade die Augen von Babys und Kleinkindern sind besonders stark gefährdet. Kinderaugen haben grössere Pupillen und sind in ihrer Struktur viel klarer und lichtdurchlässiger als jene von Erwachsenden. Dadurch kann bis zu 80 Prozent der gefährlichen Strahlung ungefiltert in das kindliche Auge eindringen. Im Laufe des Lebens verdichtet sich die Augenstruktur und die Transparenz nimmt ab, sodass für Erwachsene ein wesentlich geringeres Gefahrenpotenzial besteht.

Im sich noch entwickelnden Auge hingegen wirkt die UV-Strahlung „wie eine Verbrennung der Netzhaut. Die Schädigung der Augen macht sich zwar noch nicht sofort bemerkbar, aber die Grundlage für Altersbeschwerden am Auge ist hier schon unwissentlich geschaffen.

Fehlt es in den kindlichen Jahren an geeigneten Schutzmassnahmen gegen das ultraviolette Licht, sind Beeinträchtigungen der Sehleistung im Alter vorbestimmt: Je nach Studie wird ein Drittel oder sogar die Hälfte aller Fälle von altersbedingter Makuladegeneration von zu viel UV-Strahlung im Kindesalter verursacht. Auch das Auftreten von Grauem Star oder dem Lidspaltenfleck – eine Verdickung der Bindehaut – kann durch das unsichtbare Licht gefördert werden.

 

Die richtig Sonnenbrille wählen

Den geeigneten Schutz versprechen Sonnenbrillen. Ein dunkles Brillenglas bietet nicht automatisch die ausreichende Sicherheit. UV-Schutz hat nichts mit dem Tönungsgrad der Gläser zu tun. Deshalb rät GRAU von dem schnellen Kauf einer Kindersonnenbrille beim Discounter an der Ecke, auf dem Flohmarkt oder am Strand ab: Zwar können hier die Eltern leicht überprüfen, ob das Produkt über keine scharfen oder spitzen Metallteile verfügt und einigermassen bruchsicher erscheint – alles wichtige Grundeigenschaften, die eine Kinderbrille aufweisen sollte. Aber dass die Brille auch verlässlich sitzt und bei den kindlichen Aktivitäten nicht sofort verrutscht, dass sie sich ideal an die individuellen Gesichtszüge anpasst und die Augenhöhle tatsächlich vollständig abdeckt – das lässt sich am Strandshop oder an der Supermarktkasse schwerlich überprüfen. Hier ist der Fachmann gefragt, der auch um den UV-Schutz einer Brille weiss und umsichtige Eltern entsprechend beraten kann.

Kinder sollten bereits vom Babyalter an ganz selbstverständlich mit Sonnenbrillen geschützt werden. Bei richtiger Pflege kann die Brille, nachdem die Kleinen herausgewachsen sind, auch an die Geschwister weitergereicht werden. Da einige Gläser mit der Zeit ausbleichen, verlieren sie ihren UV-Schutz. Aus diesem Grund sind gelegentliche Kontrollen der Sonnenbrille durch den GRAU Sehexperten geboten.

 

Risikofaktor blaues Licht

Doch nicht nur der optimale UV-Schutz sollte bei der Wahl der Sonnenbrille berücksichtigt werden: Auch vor der vom (sichtbaren) blauen Licht ausgehenden Blendung gilt es sich vorzusehen. Besonders bei Ausflügen an den Strand oder in die Berge empfiehlt sich hohe Achtsamkeit, da Wasser und Schnee das Sonnenlicht deutlich stärker reflektieren als beispielsweise Grünflächen. Somit werden auch UV- und blaues Licht von der Umwelt weniger absorbiert und treffen in höheren Dosen auf das Auge. Beim Augenoptiker sollte also auch angegeben werden, wohin die Reise gehen wird, damit er Brillen mit dem geeigneten Blendschutz anbieten kann.

So seltsam es zunächst klingen mag, aber Sonnenbrillen sollten auch bei eher bewölkter Wetterlage zur Ausstattung gehören. Denn nur das sichtbare Licht wird am wolkenverhangenen Himmel absorbiert. Die UV-Strahlung hingegen wird durch Beugung sogar noch verstärkt und gelangt so konzentrierter auf die Erde. Also: Auch bei bedecktem Himmel, der blendet, zur Sonnenbrille greifen – Die Augen danken es im Alter.

 

Gefahrenquelle UV-Strahlung

Hund und Katze, Bienen und Igel können sie sehen, Menschen hingegen nicht: Die UV-Strahlung geht von der Sonne aus und trifft – verstärkt auch durch das Ozonloch – auf die Erdoberfläche. Neben diesem natürlichen Ursprung hat die ultraviolette Strahlung noch eine Reihe künstlicher Quellen. Dazu gehören Quecksilberdampf-Niederdruck-Lampen, wie sie in Solarien zum Einsatz kommen, Schwarzlichtlampen, die oft in Diskos verwendet werden, und einige Laser sowie Leuchtdioden.

 

Wachhaltendes Blaulicht

Blaues Licht blendet nicht nur, sondern beeinflusst auch den sogenannten Suprachiasmatischen Kern im Gehirn – die ‚innere Uhr‘. Zu viel Blaulicht putscht den Körper auf und beeinträchtigt den Biorhythmus. Häufig ist im vermeintlich weissen Licht von Badezimmerbeleuchtungen, Handys und Tablets übermässig viel Blaulicht enthalten, das abends wachhalten kann. Prof. Dr. Christian Cajochen, Leiter des Zentrums für Chronobiologie an der Universität Basel, spricht von regelrechten „Blauduschen“ für das Hirn.